Vom Suchen und Finden des weißen Glücks

Hallo, mein Name ist andereaussichten und ich bin für einen Seidentofu 20 Kilometer durch eine deutsche Großstadt gefahren. Er liegt jetzt im Kühlschrank und noch bin ich mir uneins, wie ich ihn vertilgen werde. Mit Soja und Chili, garniert mit Frühlingszwiebeln? Paniert und frittiert – heiß und fettig? Die Zeit wird es zeigen.

Aber noch mal zurück auf Anfang. Meine Bestellungen aus der Beschaffungshölle sind leider noch nicht angekommen. Der beste aller DHL-Lieferfahrer hat mir heute neue Lektüre gebracht (was auch schön ist). Sein Job ist hart, ich kann ihm also nicht genug danken. Aber so musste ich doch ohne passende Atemschutzmaske einkaufen gehen. Und weil heute auch viel Arbeit auf einmal auftauchte, war es schon in der Mittagspause aufgrund Zeitdruck so weit.

Ich ging also mit einer großen blauen Tüte eines schwedischen Einrichtungshauses, Handschuhen und einem treuen Einkaufschip zum Discounter nebenan, den wir hier liebevoll nur „Gettho-„[bekannter Discountername] nennen. Hier gehen all die Menschen einkaufen, die am Anfang des Monats bar bezahlen und den Tabak im 3kg-Vorteilspack kaufen. Für das Personal ist die Kundschaft schon in guten Zeiten nicht einfach. Jetzt aber bewachen mehrere Security-Mitarbeiter das Geschehen. Beim Einpacken unterhalte ich mich mit einem von ihnen. Er erzählt mir von Beleidigungen, Spucken und Drohen. Von der Polizei, die regelmäßig vorbeischaut und Aufklärung betreibt.

Eine alte Dame vor mir an der Kasse fragt verzweifelt, wann endlich Mehl geliefert würde. Der Kassierer verdreht genervt die Augen und sagt: „Mehl kriegen wa nich mehr. Wird nich geliefert, warten Sie da nich drauf.“ Die Dame knickt ein – am Freitag hat ihr Mann Geburtstag, einen Kuchen wollte sie doch backen. Aber er hört ihr schon nicht mehr zu. Ich rufe ihr den Namen eines Bäckers zu, der Mehl und Hefe dealt. Sie nickt und schleicht davon.

Überhaupt – viele Leute sehen beim Einkaufen verloren aus. Eine Frau schaut gedankenverloren ins halbleere Regal. Wo sich sonst 4 Naturjoghurtmarken türmen, steht jetzt noch ein Becher mit 0,3 % Fett. Sie schaut ein wenig angewidert und dreht schließlich ab. Ich kaufe dagegen ein, als wäre der Teufel hinter mir her. Zack, zack, zack – und dann bloß weg hier. Kartenzahlung? Natürlich. Bargeld hab ich nur noch wenig – es lohnt ja auch nicht mehr.

Nach Feierabend dann steht auf dem Bewegungsplan eine Radfahrt. Leider hat der einzig noch offene große Asiamarkt heute geschlossen. Aber irgendwo da in der Innenstadt gibt es eine Filiale einer Biomarktkette. Ich befrage eine Bekannte, ob es sich lohnt, sie bejaht. Und schon sind J. und ich bei strahlendem Sonnenschein auf dem Weg. Wir machen natürlich viel Umweg, damit sich die Fahrt auch lohnt. Und dort, im Bioparadies in der ziemlich verlassenen Einkaufsmeile dieser Stadt finde ich nicht nur einen Seidentofu, sondern auch eine Packung Weizenvollkornmehl. Die letzte übrigens. Verschämt werfe ich sie in mein Körbchen und jubiliere innerlich. J. hat nämlich nächste Woche Geburtstag und naja … ich wollte ihm auch einen Kuchen backen.

Hoffentlich hat auch die alte Dame jemanden, der ihr das Mehl vom Bäcker besorgen kann. Ein Geburtstag ohne Kuchen wäre doch sehr schade.

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