Von Lamas

Tag 10 der Selbstisolation. Ein Blick auf die Statistik der letzten Wochen zeigt, dass mein Fitnesslevel gestiegen ist. Kein Wunder, wenn nichts anderes mehr offen hat, bleibt eben nur Laufen und Radfahren. Es gibt dabei nur ein Problem: Die anderen denken sich das auch. Es scheint, als hätte die halbe Nation plötzlich Joggen als Sport entdeckt. Sobald die Sonne am Himmel steht, bevölkern sie zahlreich sämtliche Straßen bis hinein ins letzte Industriegebiet.

Weil Gruppen nicht mehr gehen, sind sie nun alle Einzelkämpfer und präsentieren sich als herausfordernder Slalomparcours. Will ich den Sicherheitsabstand einhalten, muss ich mir was einfallen lassen. Ein eleganter Sprung über den Blumenkübel, kurzes Ausweichen auf die Straße – alles dabei.
Damit aber der Schwierigkeitsgrad gelegentlich noch bis zum Nervenkitzel gesteigert wird, gibt es die Lamas. Meistens sind das die Supersportler. Sie spucken – aus dem Lauf heraus – neben sich, hinter sich oder vor sich. Ich weiß nicht, ob ihnen schon mal jemand erzählt hat, dass das in den Zeiten von Pandemien nicht zielführend ist. Würden sie dann damit aufhören und ihren Schleim einfach herunterschlucken? Oder können sie einfach nicht anders? Unangenehm ist es im Moment immer.

Bei dieser Sonneneinstrahlung geht es. Kaum Menschen zu sehen.

Meanwhile in Luxemburg (Meine Freundin T. schrieb mir diese Anekdote):

Lamas“
Ich steh in der Schlange.
Zwei Menschen stehen vor mir, mit etwas mehr als zwei Meter zwischen uns.
„So viel Abstand, wie ein Lama bequem brauchen würde“, habe ich auf Instagram gelesen.
Seitdem sehe ich überall Lamas, und wenn nicht, wenn es nicht genug Platz dafür gibt, werde ich sauer.
Der Parkplatz ist fast leer. Die Frau vor mir hibbelt von einem Fuß auf den anderen.
Die Schiebetür geht auf und es geht einen Schritt vor.
Nur noch 1 Lama vor mir. Ich trau mich nicht zu kucken, wie viele hinter mir warten.
Der Polizeiwagen dreht zum zweiten Mal die Runde über den Parkplatz.
Auch sie sehen die Lamas, und wenn nicht, kommen sie gleich angelaufen und sind sauer.
Die Lamas sind weg und ich steh an der Eingangstür vom Supermarkt.
Nur mehr 8 Menschen zeitgleich, ich muss warten, bis ein Kunde raus kommt.
Eine maskierte Frau desinfiziert mir einen Einkaufswagen, den ich nicht will.
Ich will nur ein paar Kleinigkeiten.
Da frage ich mich gleich, ob man das nicht mehr darf, nur ein paar Kleinigkeiten kaufen.
„Muss aber mit!“ Sonst hat man keine Übersicht über die Kundenanzahl.
Ich nehme den Einkaufswagen entgegen.
Nach 30 Minuten Schlangestehen darf ich mein Brot kaufen gehen.
Aber bitte mit Lamas zwischen mir und den 7 anderen Leuten im Laden. 

Morgen kommt mein Wochenhighlight. Wir brauchen Brot.

Song des Tages: Einstürzende Neubauten – Dead Friends

1 Kommentar zu „Von Lamas“

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